Bei einer Stimmstörung klingt die Stimme über längere Zeit verändert oder bleibt sogar ganz weg.

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Stimmstörung - Dysphonie

Die Stimme ist für den Menschen ähnlich charakteristisch wie ein Fingerabdruck oder der genetische Code. Erzeugt wird sie im Kehlkopf, der die Stimmlippen mit den Stimmbändern enthält. Sie werden beim Sprechen in Schwingungen versetzt, wodurch Töne entstehen. Damit daraus Sprache mit Wörtern und Sätzen wird, sind allerdings zusätzlich die Zunge und die Lippen notwendig.
In der Vielfalt der Töne, Klänge und Geräusche übertrifft die menschliche Stimme jedes Musikinstrument. Individuelle Unterschiede ergeben sich aus z.B. durch die Größe des Kehlkopfs oder die Länge der Stimmbänder. Verändern kann sich die Stimme z.B. mit Muskelspannung, seelischer Verfassung oder psychischen Erkrankungen. Der Klang gibt Hinweise auf Alter, Geschlecht und vieles mehr.

Symptome einer Stimmstörung

Probleme mit der Stimmerzeugung machen sich zu Anfang oft mit Heiserkeit, häufigem Räuspern oder Halsschmerzen bemerkbar. Heiserkeit kann harmlos sein, aber auch ernstzunehmende Gründe haben. Bei Erkältungen klingt die Stimme häufig heiser und auch, wenn man viel oder besonders laut geredet oder gesungen hat. In den meisten Fällen verschwindet die Heiserkeit nach kurzer Zeit von selbst. Erst wenn sie länger als drei Wochen anhält oder die Stimme ganz ausbleibt und man nur noch flüstern kann, sollten die Ursachen abgeklärt werden.

  • Die meisten Stimmstörungen ergeben sich durch falsche Belastung oder Überanstrengung. In Sprechberufen kann es leicht dazu kommen. Vor allem bei Sängern, Schauspielern, Erziehern, Lehrern oder Dozenten besteht ein Risiko für chronische Heiserkeit oder wiederkehrende Kehlkopfentzündungen, insbesondere wenn Stimme und Atemtechnik nicht richtig geschult sind.
  • Auch Raucher haben oft eine heisere Stimme und einen chronisch entzündeten Kehlkopf.
  • Bei Jungen kommt es in der Pubertät zum Stimmbruch mit normalen physiologisch bedingten Stimmstörungen. In dieser Phase wächst der Kehlkopf. Die Stimmlippen werden länger und die Stimme tiefer. Sie sollte währenddessen weitgehend geschont werden.

Bei Stimmstörungen wird zwischen organischen und funktionellen Ursachen unterschieden. Wenn organische Veränderungen ausgeschlossen werden können, sprechen Mediziner von funktioneller Stimmstörung. Beide Formen können sich auch gegenseitig bedingen.

Organische Ursachen für Stimmstörungen

Die häufigste organische Ursache für Stimmstörungen ist eine Veränderung oder Beschädigung des Kehlkopfs.

  • Hauptsächlich Kehlkopfentzündungen, aber auch andere Entzündungen durch Infektionen der oberen Luftwege, lassen die Stimmlippen anschwellen. Wenn die Stimme dann nicht geschont wird, können die Stimmmuskeln Schaden nehmen. Manchmal können sich die Stimmlippen dann nicht mehr ausreichend schließen, so dass die Stimme dauerhaft heiser bleibt.
  • Durch wiederkehrende Kehlkopfentzündungen oder bei ständiger Überbeanspruchung der Stimme können sich auch Knötchen an den Stimmbändern, die Stimmbandknötchen bilden. In der Regel sind sie harmlos, eine chirurgische Entfernung ist nur selten notwendig.
  • Auch durch gutartige Geschwulste wie Stimmlippenpolypen oder durch Kehlkopfkrebs kann die Kehlkopfregion eingeengt werden. Wenn die Beweglichkeit der Stimmlippen dadurch eingeschränkt ist, kommt es zu Stimmstörungen.
  • Außerdem können auch angeborene Fehlbildungen eine Dysphonie hervorrufen.

Funktionelle Stimmstörungen

  • Zu den funktionellen Stimmstörungen gehören die oftmals berufsbedingten Erscheinungen, die sich durch falsche Belastung der Stimmlippen oder falsche Stimmtechnik ergeben. Damit geraten die an der Stimmbildung beteiligten Kehlkopfstrukturen aus dem Gleichgewicht.
  • Psychische Belastungen können ebenfalls auf die Stimme schlagen. Der Klang der Stimme ist von der Stimmung abhängig. Stress, Angst oder Aufregung können dazu führen, dass die Stimmlippen sich falsch anordnen oder fest zusammenpressen. Im schlimmsten Fall bleibt die Stimme ganz weg.

Diagnostik

Zur Diagnose von Stimmstörungen gehören eine ausführliche Befragung und die Begutachtung der Stimme. Der Arzt achtet dabei z.B. auf Artikulation, Redefluss, Sprachgebrauch und Klang. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt Mundraum und Rachen beurteilt und die Lymphknoten abtastet.
Eine Kehlkopfspiegelung, die sogenannte Laryngoskopie, hilft bei der Suche nach organischen Ursachen. Über einen löffelförmigen Spiegel oder ein flexibles Endoskop kann der Arzt die Kehlkopfregion einsehen und Veränderungen erkennen.
Um Stimmlippenbewegungen zu untersuchen, kommt die Stroboskopie zum Einsatz. Ein spezielles Endoskop mit Lupe ermöglicht es, die Einzelschwingungen der Stimmlippen sichtbar zu machen. Funktionelle Stimmstörungen lassen sich über die Symmetrie zwischen den beiden Stimmlippen, die Regelmäßigkeit der Wellenbewegungen und deren Auslenkung diagnostizieren.
Zusätzlich können Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen, Gewebeprobenentnahme und Computertomographie (CT) zur Abklärung des Befunds erfolgen.

Therapie von Stimmstörungen

Generell sollte man bei die Stimme schonen, um sie wiederherzustellen, also möglichst wenig sprechen, nicht schreien, räuspern, husten und auch nicht flüstern. Tabak und Alkohol sollte man vermeiden.

Je nach Befund kommen verschiedene therapeutische Möglichkeiten in Frage:

  • Bei einer organischen Dyshponie muss zunächst die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden. So kommen z.B. bei einer bakteriellen Kehlkopfentzündung Antibiotika zum Einsatz. Stimmbandknötchen oder Polypen können endoskopisch entfernt werden.
  • Als Ergänzung und bei funktionellen Störungen, vor allem in Sprechberufen ist die Stimmtherapie eine wichtige Behandlungsform. Stimm- und Atemübungen helfen auf längere Sicht, die Stimme richtig zu nutzen und nicht zu überlasten. Trainiert wird dabei die optimale Koordination und Beweglichkeit aller für das Sprechen notwendigen Organe.
  • Bei psychischen Ursachen müssen die individuellen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Eventuell kann eine psychotherapeutische Aufarbeitung sinnvoll sein. 
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